Bereits während meiner Tour gab es die Frage nach empfehlenswerten und weniger empfehlenswerten Produkten. Ich hatte in einer kurzen Stellungnahme meine Erfahrungen dazu gepostet. Nun gibt es aus aktuellem Anlass einen Grund das Thema nochmal aufzugreifen. Damals hatte ich unter anderem zum Optimus Kocher geschrieben:

Optimus Kocher:
 enttäuscht, schon zwei O-Ringe kaputt, bekomme kein Ersatz. Hier läuft alles mit Whisperlite rum, Optimus kennt keiner.

O-Ring (used)

Die Probleme mit dem Kocher traten bereits zu beginn auf. Schon nach einigen Tagen, zu Anfang meiner Tour musste ich einen Dichtring am Ende der Zuleitung austauschen. Zum Glück hatte ich im Vorfeld das zusätzliche Ersatzteilset geordert. Doch ein paar Tage später hatte ich dann den O-Ring des Ventils für die Benzinzufuhr zu ersetzen. Damit war bereits der letzte passende Dichtring verbraucht.
Als dann in den Yukon Flats die Dichtung an der Benzinzufuhr wieder erste Verschleissstellen zeigte war ich frustriert. So etwas ist – insbesondere auf einer langen Reise, wie dieser – nicht gerade ermutigend. Doch hatte ich Glück, dass ich zu diesem Zeitpunkt Branton getroffen hatte. Der hatte einen lauten, weniger heizstarken und bekannt wackeligen aber funktionierenden MSR Whisperlight! Mein Kocher blieb daher in der Regel im Packbeutel, zumal das Wetter Kochaktionen auf Holzfeuer jederzeit zuliess. Holz ist “en masse” an der Ufern des Yukon zu finden. Doch hin und wieder kam der Nova doch zum Einsatz und folgerichtig gab die Dichtung des Ventils weiter nach. Diverse Bastellösungen mit Duck-Tape führten leider nicht zu dauerhaften Erfolg.

Diese unbefriedigende Situation führte an der Yukon Crossing Bridge sogar zu der Überlegung per Bus nach Fairbanks zu fahren. Zumal Branton einen Tag zuvor seinen Reisverschluss des Schlafsack so verklemmt hatte, dass er diesen nicht mehr schliessen konnte und daher zu recht befürchtete, bei zunehmend rauerem Klima unter Kälte zu leiden. Doch eine Fahrtunterbrechung hätte uns uns mindestens zwei Tage gekostet, wahrscheinlich eher drei. Zum anderen gelang es uns, wenn auch unter Verlust eines Leathermann, den Reissverschluss soweit gangbar zu machen, dass Brantons Problem mit dem Schlafsack erstmal gelöst war. Damit blieb nur der Kocher als Sorgenkind übrig. Doch da wir an der Yukon Crossing Bridge mit Raimond, Dan und seinen zwei Jungs trafen vergrösserte sich die Auswahl an Kochern. Schliesslich liessen wir von der Idee ab.
Doch auch bei Raimonds Kocher sorgte ein defekte Dichtung für Probleme, so dass von potentiell vier Kochern nur zwei voll funktionsfähig waren. Bis Galena nutzen wir im wesentlichen die Kocher von  Branton und Dan. Unterwegs sah sich Dan nochmal den Nova an und hatte die Idee die O-Ringe zu tauschen. Der gute O-Ring wurde an das Ventil montiert, das zwangsweise bei Gebrauch bedient werden musste. Und der schon wieder fast verschlissene kam an den Bajonettverschluss der Zuleitung. Dieser wurde danach nicht mehr gelöst, um die Dichtung zu schonen. Stattdessen wurde die Pumpe nach jedem Kochvorgang aus der Benzinflasche geschraubt. Nicht gerade perfekt, aber Not macht erfinderisch.
Die Situation wurde wieder prekär, als Branton beschloss in Galena alleine weiter zu paddeln, da er keinen Pausentag einlegen wollte. Ich schloss mich Ray, Dan und seinen Jungs an. Unsere Wege trennten sich dann ein paar Tage später als die vier in Kaltag den Flieger nach Hause bestiegen und ich alleine weiter paddelte. Mein Kocher war wieder gefordert. Doch die Notlösung hielt. Nach einer knappen Woche traf ich dann auf eine Gruppe von vier Landsmännern, von der ich schon seit Whitehorse gehört hatte. Wir beschlossen den restlichen Teil zusammen zu paddeln, so dass das Problem mit meinem Kocher nicht mehr superkritisch war.

Old school cooking

Nach meiner Rückkehr bekam ich dann Ende vergangen Monats eine E-Mail von globepaddler.ch, die mir bei meinen Vorbereitungen enorm geholfen hatten und über die ich den Optimus Nova bestellt hatte. Die Katadyn AG (Schweiz) die Optimus (Schweden) 2007 übernommen hatte, gab einen Rückruf für einige ihrer Kocher bekannt. Demnach ist, bedingt durch Produktionsmängel, ein erhöhter Verschleiss der O-Ringe möglich, gegebenenfalls können diese aufquellen. Dies kann sowohl beim Schnellanschluss am Ende des Brennstoffschlauchs als auch am Ventil auftreten…Volltreffer! Ich werde den Kocher zurückschicken und auf Ersatz hoffen. Was den Frust und vor allem die Sorgen unterwegs nicht wirklich kompensieren kann.
Unabhängig davon ist eine Erkenntnis der Reise sich, wo möglich, mit Ausrüstung zu versehen, die in der Zielregion Quasi-Standard ist. Dann hat man die Möglichkeit sich eventuell gegenseitig mit Ersatzteilen aushelfen zu können. So hatte nahezu jede,r den ich in Alaska traf, einen MSR Kocher dabei. Wenn immer ich nach Ersatzmaterial fragte bekam ich als erstes ein “no problem” zu hören. Nachdem ich Typ und Hersteller meines Kochers genannt hatte folgte dann unisono “what’s this?”.

Kleine Anmerkung zum Schluss. Den Optimus Nova hatte ich bestellt, da es mir zu riskant erschien meine 20 Jahre alten Kocher mit auf die Tour zu nehmen, ein – erraten – MSR Whisperlight. Offensichtlich hatte ich da bei der Risikoabschätzung etwas falsch gemacht ;-). Ich hoffe, dass der neue Nova von Optimus mich bei künftigen Reisen dann nicht im Stich lässt. Bei Reisen nach Skandinavien sollte das Thema mit den Ersatzteilen auch kein Grosses mehr sein.