Nachdem wir das Elchabenteuer überstanden hatten kümmerten wir uns wieder vermehrt um den Vortrieb.

Der Dezadeash zeigt sich nach dem Six Mile Lake erst mal relativ normal – immer wieder Geraden und Kurven – aber man kommt doch ganz gut voran. Mit mit zunehmender Länge werden die Kurven aber zu Kehren und der Fluss mäandert immens. Das geht soweit, dass man teilweise hunderte Meter zurückpaddelt, bevor der Fluss wieder eine Kehrtwende macht. Insbesondere der Abschnitt nach Champagne ist nichts für Leute, die es eilig haben J. Das Verhältnis Paddelstrecke zu echter Zielannäherung ist etwa 3:1, d.h. drei Stunden paddeln bringen einen etwa eine echte Wegstunde näher ans Ziel.

Erfreulicherweise beschleunigt der Fluss etwa siebzig Kilometer nach Champagne und wird zu einem richtigen Wildfluss. Damit hatten wir nicht gerechnet, da uns alle Paddler in Whitehorse von einem „Dauergeschlängel“ bis Haines Junction berichtet hatten. Mit deutlich mehr Strömung kommt auch wieder Motivation in die Boote. Erin macht ihrer Freude Luft; der Schnitt steigt auf 11 bis 13 km/h. Bei WW I-II sowie beeindruckend vielen Sweepern und Log Jams ist aber auch mehr Konzentration gefordert. Angesichts einiger enger Durchfahrten an meterhohen Schwemmholzhaufen vorbei empfiehlt es sich entsprechend vorausschauend sein Boot zu positionieren, bevor es den nächsten Rapid runter geht.

Irgendwann haben wir genug. Erin erklärt, dass sie keine Adrenalinreserven mehr zur Verfügung hat und plädiert für die Suche nach einem Camp. Wiederum finden wir einen traumhaften Spot mit toller Aussicht. Für Yukon Verhältnisse nahezu mückenfrei können wir den Abend am Feuer genießen. Am nächsten Morgen lassen wir es locker angehen und gehen erst gegen acht aufs Wasser. Trotzdem sehen wir uns bald nach dem Start mit einen mächtigen Elchbullen konfrontiert, der gerade den Fluss durchqueren will, und uns „Störenfriede“ mit einem missbilligenden Blick bestraft. Eingedenk unserer letzten Erlebnisse machten wir uns deutlich bemerkbar, bis er majestätisch abdreht und im Unterholz verschwindet.

Der Dezadeash zeigt sich heute etwas weniger sportlich aber dafür fächert er, bedingt durch weitere Zuflüsse, mächtig auf. Die Wahl des richtigen Kanals wird dabei fast zum Lotteriespiel – es ist beeindruckend welche Mengen an Holz auf diversen Schwemmlandinseln angeschwemmt sind. Das Wetter spielt perfekt mit. Nur wenige Wolken, blauer Himmel und wir das Ziel dicht vor Augen. Unterwegs überholen wir noch ein Raft, das ein paar Touristen den breiten Fluss hinunter schaukelt, unsere einzige menschliche Begegnung überhaupt auf dem Dezadeash. Wir tauschen uns kurz aus und der Guide beschreibt uns den Ausstieg kurz nach der Brücke des Haines Highway. Haines Junction sieht uns schon gegen Mittag und sehr entspannt packen wir unsere Siebensachen zusammen.

Erin und ich sind uns einig, dass dieser Fluss (bei diesem Wasserstand) ein Kleinod ist. Er bietet auf kurzer Strecke einsame Seen, einen zu Beginn schmalen Fluss, der  sich prächtig entwickelt. Auf Begegnungen mit “Wildlife” sollte man jederzeit gefasst sein und die notwendigen Vorsichtsmassnahmen treffen. Aus meiner Sicht ist der Dezadeash unbedingt empfehlenswert, falls man sich darüber hinaus mit den kleinen Plagegeistern arrangieren kann. Das wiederum gehört eigentlich zur Grundvoraussetzung wenn man sommers nördlich des 60 Breitengrads Urlaub machen will ;-).