Bevor es mit dem Yukon River Quest losgeht wollten Erin und ich uns noch ein paar Tage entspannt einpaddeln. Von den vielen Möglichkeiten haben wir uns dann für den Dezadeash entschieden – nicht zuletzt deshalb weil er logistisch relativ einfach von Whitehorse zu erreichen ist.

Der Dezadeash hat seinen Ursprung in den Vorbergen des Kluane Nationalpark und ist das Heimatland der Champagne und Aishihik Indianer. Er ist bekannt für sein Vogelreichtum; zudem hatten wir von einigen Paddlern in Whitehorse auch eine Art „Elchgarantie“ versprochen bekommen. In beidem wurden wir nicht enttäuscht.

Die Fahrt nach Haines Junction kannte ich schon von meiner Tour vor zwei Jahren, doch diesmal war ich zwei Monate früher unterwegs und konnte als Beifahrer das ganze Panorama genießen – wenn auch der Regen immer wieder heftig einsetzte und die Vorfreude etwas trübte. So war ich denn auch dem Vorschlag von Erin, vom geplanten Startpunkt am Dezadeash Lake aus, noch einen Abstecher zu den Million Dollar Falls zu machen, sehr dankbar ;-).  Ab Champagne verläuft der Fluss zwar mehr oder weniger parallel zum Alaska Highway, allerdings konnten wir beim besten Willen nicht ein bisschen Wasser sehen.

Die Village Bakery in Haines Junction ist ein Zwischenstopp, den man nicht auslassen sollte und so legten auch wir dort eine Pause ein, um  uns mit frischem Brot zu versorgen. Das Visitor Center liegt in direkter Nähe, so dass die Wege zu aktuellsten Wettervorhersage kurz genug sind, um alles stressfrei und gemütlich zu erledigen.

Gut versorgt ging es weiter und nach 50 Kilometern ließen wir unseren eigentlichen Startpunkt erst mal links liegen. Weitere 40 Kilometer weiter liegen die Million Dollar Falls. Die Spannung stieg, nicht zuletzt wegen der stetig steigenden Nadel des Kühlwassers. Auf dem Million Dollar Campground machten wir uns dann erst mal auf den Weg die Wasserfälle zu erkunden. Leider kommt man nicht an den Fuß der Fälle dran, aber schon aus der Sicht von oben kamen wir zum Schluss, dass das keine gute Idee wäre diese Fälle mit dem Kajak anzugehen. Vielleicht für eine Million Dollar :-). ?

Der Kühler wurde mit einem – aus der Mülltonne gegrabschtem leeren Wasserbehälter und frischem Flusswasser – bedient, bevor es wieder zurück ging.

Auf dem Weg zum Startpunkt der Tour bekam ich dann gleich zwei Bären vor die Linse. Insbesondere der Braunbär machte keine Anstalten sich von einem parkenden Auto ablenken zu lassen und ließ sich in aller Ruhe ablichten – so richtig wohl war auch Erin dabei nicht. Bären, die auf die Anwesenheit von Menschen so gar nicht reagieren haben in der Regel keine hohe Lebenserwartung…

 

Am Dezadeash Campground luden wir erst mal ab und ich machte mich an den Zeltaufbau, während Erin den Blazer nach Haines Junction fuhr und per Anhalter zurück wollte – so der Plan.

Ich hatte beide Zelte aufgebaut und mich der Myriaden von Moskitos wegen ins Zelt zurückgezogen als Erin nach gut drei Stunden wieder eintraf. Nachdem sich nach einer Stunde am Highway gerade mal drei Autos vorbeibewegt hatten war sie zum Schluss gekommen, dass die Chance heute noch einen „Ride“ zum Campground zu bekommen minimal waren. Kurz entschlossen machte sie sich zur lokalen Burgerbude auf und fragte dort nach, ob sie jemand fahren würde. Die Besitzerin hängte sich ans Telefon und trieb Bonnie auf, eine nette Frau, die gegen ein entsprechendes Benzingeld gerne bereit war, den Chauffeurdienst zu übernehmen. Erin spendierte ihr noch einen Burger zum Dank und dann machten sich beide auf den Weg. Wir schnackten noch eine Weile zu dritt, bevor Bonnie sich wieder auf den Rückweg nach Haines Junction machte. Der restliche Abend und die Nacht verlief  – bis auf den ein oder anderen Regenschauer – erfreulich ruhig.  (Fortsetzung folgt)